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"Entdecke dich neu!"

Diplomarbeit 2023

Thema Erschöpfung

Meisterklasse/Ortweinschule Graz 

Die Ausmaße von Zerstörung und Ausbeutung („Erschöpfung“) der Natur nehmen trotz des Szenarios des weltweiten Klimawandels und der steigenden globalen Temperaturen ohne Rücksicht auf nachkommende Generationen weiterhin zu. Vor nicht einmal 20 Jahren waren Begriffe wie die Zerstörung der Regenwälder, Mülltourismus, Umweltkatastrophen, Billiglohnländer, Ausbeutung und soziales Elend für den Großteil der europäischen Bevölkerung nur Schlagworte für eine weit entfernte Welt irgendwo in Afrika, Asien oder Südamerika. Mittlerweile sind diese Konfliktpotentiale auch in Europa und den westlichen Industriestaaten angekommen. Sie lassen in allen Gesellschaftsgruppen ein in diesem Ausmaß bislang unbekanntes Bedrohungsszenario entstehen, dem eine große soziale und politische Sprengkraft innewohnt. 

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Die gefühlte Welt dreht sich für uns Menschen immer schneller. Wir leben in einer ständigen Zeitnot mit un-zähligen Konditionierungen gesellschaftlicher Vorgaben. Der zunehmende Stress führt bei vielen Menschen zur permanenten Überforderung und in weiterer Folge sehr häufig zu schweren Krisen von Erschöpfung und ausgebrannt sein. Tendenz steigend. 

Der über Jahrhunderte einzementierte Fortschrittsgedanke ist gewaltig ins Wanken gekommen. Der Schweizer Philosoph Jean Gebser relativierte in seinem schon vor ca. 100 Jahren konzipierten und im Jahre 1949 veröffentlichten Werk "Ursprung und Gegenwart" Fortschritt als ein Weggehen vom Ursprung. Er beschreibt die Menschheitsgeschichte als eine Abfolge von Bewusstseinsstufen. Nach Gebser befinden uns heute im mentalen Zeitalter, das vor ca. 2500 Jahren im antiken Griechenland begonnen hat. Als symptomatisch für das Selbstverständnis dieses Zeitalters darf der berühmte Satz von Rene Descartes gelten: „Cogito ergo sum.“ –  Ich denke, also bin ich.“

 

Das mentale Zeitalter befindet sich nach Gebser heute im Niedergang. Ein Zeichen dafür ist die Hyperrationalität, in der der wissenschaftliche Intellekt zum Dogma erklärt wird.

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Der Soziologe und Zeitforscher Hartmut Rosa bringt diesbezüglich einen weiteren, sehr interessanten Aspekt zum Fortschrittsgedanken ein. Rosa beschreibt seit ungefähr den 1980-er Jahren einen radikalen Paradigmenwechsel im Fortschrittsdenken. Während die Motivation früher stets in der Verbesserung der jeweiligen Lebensumstände lag, gilt es nach dem neuen Credo den Anschluss am technologischen Fortschritt unter keinen Umständen mehr zu verpassen, denn dies würde zum Niedergang innerhalb des globalen Wettbewerbs führen. Die Motivation für den Fortschritt liegt also nicht mehr vor uns, sondern hinter uns und treibt uns unerbittlich an. Und so rennen wir in der heutigen Zeit vor einem düsteren Abgrund davon und sind gleichzeitig wie oben angeführt mit riesigen Problemen in der Zukunft konfrontiert.

Die Lösungsansätze beider Forscher lassen sich sehr vereinfachend mit den Begriffen Entschleunigung, den Blick nach Innen richten und sich wieder auf das ganzheitliche Wesen des Menschseins besinnen.

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In diesem Sinne habe ich das Kunstwerk „Entdecke dich neu“ als Rauminstallation konzipiert und umgesetzt.

Der einzelne Ausstellungsbesucher ist aufgefordert, sich in der notwendigen Achtsamkeit ohne Zeitdruck einen Weg durch die kreisförmige Rauminstallation von außen nach innen zu bahnen und sich dabei auf eine spielerische Erfahrung des Staunens über visuelle Eindrücke, Klang, Berührung und Licht einzulassen.

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